Ratgeber

Mikrokredit für Selbstständige: Kleinstfinanzierung für Gründer & Soloselbstständige

Autor: Tom Trögler Aktualisiert: 13. April 2026 Lesezeit: ca. 8 Min.

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Du bist Gründer oder gerade in der Selbstständigkeit gestartet? Und brauchst 3.000–8.000 € für erste Ausgaben – Equipment, Büroraum, Marketing? Eine klassische Bank wird dich ablehnen (zu riskant, zu klein). Hier kommen Mikrokredite ins Spiel.

Mikrokredite sind eine echte Alternative: Sie sind schneller, weniger bürokratisch, und sie akzeptieren Menschen, die Banken ablehnen. Der Haken: Etwas höhere Zinsen und du brauchst einen Businessplan.

Dieser Ratgeber zeigt dir, wie Mikrokredite funktionieren, welche Anbieter es gibt und wann sie die richtige Wahl sind.

Was ist ein Mikrokredit? (Definition & Abgrenzung)

Ein Mikrokredit ist eine kleine Finanzierung, typischerweise:

  • Summe: 1.000–25.000 €, meistens 2.000–10.000 €
  • Laufzeit: 12–60 Monate (flexibel)
  • Zinsen: 2,99%–8,99% (bonitätsabhängig, oft höher als Bankenkredite)
  • Zielgruppe: Gründer, Soloselbstständige, Menschen mit schwacher Bonität

Unterschied zu klassischem Ratenkredit

Ein Ratenkredit (von einer Bank):

  • 5.000–50.000 €
  • Automatisiert, schneller Antrag
  • Höhere Anforderung an Bonität
  • Niedrigere Zinsen (0,99%–7,99%)

Ein Mikrokredit:

  • 1.000–25.000 €
  • Persönliche Betreuung durch Mikrofinanzinstitut
  • Niedrigere Anforderung an Bonität
  • Höhere Zinsen
  • Businessplan-Anforderung (einfach)

Für wen sind Mikrokredite gedacht?

Gründer im ersten Jahr – Banken lehnten ab, aber Idee ist gut
Soloselbstständige ohne Bankenhistorie – Gerade gegründet, noch keine Steuerbescheide
Menschen mit Bonitätsmängeln – Aber ein realistisches Geschäftskonzept
Für kleine Summen – Alles unter 15.000 € ist wirtschaftlich interessant für MFI

Nicht sinnvoll: Wenn du 50.000 € brauchst → KfW ist günstiger
Nicht sinnvoll: Wenn du perfekte Bonität hast → Bank ist günstiger

Der Mikrokreditfonds Deutschland

Der Mikrokreditfonds Deutschland ist die Hauptadresse für Mikrokredite in Deutschland. Das ist ein staatliches Programm, das von der KfW betrieben wird.

Wie funktioniert das?

  1. Du brauchst einen einfachen Businessplan (2–3 Seiten)
  2. Du stellst Antrag bei einer anerkannten Mikrofinanzinstitut (MFI) – das sind Partnerorganisationen
  3. Die MFI prüft deinen Plan und deine Bonität (weniger streng als Banken)
  4. Wenn bewilligt: Kredit bis 25.000 € mit moderaten Zinsen

Typische Voraussetzungen

  • Gründer (max. 5 Jahre Betriebsdauer) oder Soloselbstständiger
  • Einfacher Geschäftsplan (keine 50-Seiten-Vorlage nötig)
  • Persönlicher Einsatz: Du musst selbst im Geschäft mitarbeiten (nicht nur als reiner Investor)
  • Bonität: Nicht perfekt, aber kein massiver Schufa-Eintrag

Die Microfinanzinstitute als Vermittler

Du beantragst nicht direkt beim Fonds, sondern bei einer anerkannten MFI, z.B.:

  • Kreditplus (bundesweit)
  • ASA-Fonds (regionale Schwerpunkte)
  • Darlehensvermittler wie Finanzfix
  • Gründungszentren (oft auch MFI-Vermittler)

Die MFI hilft dir:

  • Businessplan schreiben/überarbeiten
  • Antrag stellen
  • Genehmigungsprozess begleiten

Kosten: Oft kostenlos oder kleine Gebühr (50–150 €) der MFI.

Sonstige Mikrokredit-Anbieter in Deutschland

GLS Bank und Ethikbanken

Die GLS Bank und ähnliche Ethikbanken haben spezielle “Gründer-Kurzkredite”:

  • 2.000–10.000 €
  • Genossenschaftlich geprägt, ethische Auswahlkriterien
  • Oft bessere Konditionen als kommerzielle Mikrokreditgeber
  • Nachteil: Etwas mehr Formalismus

Regionale Förderbanken

Viele Bundesländer haben Förderbanken, die Mikrokredite oder KfW-nahe Produkte bieten:

  • Bayern: Bayern-LB
  • Baden-Württemberg: L-Bank
  • NRW: NRW.Bank

Diese sind oft günstiger als kommerzielle Anbieter – lohnt sich nachzufragen in deinem Bundesland.

Auxmoney / P2P für kleine Beträge

P2P-Plattformen wie Auxmoney sind auch eine Art Mikrokredit, wenn du kleine Summen (2.000–5.000 €) brauchst:

  • Keine Behördenwege
  • Schneller (1–5 Tage)
  • Höhere Zinsen (5,99%–14,99%)

Aber: Nicht “staatlich gestützt” wie der Mikrokreditfonds.

Wer bekommt einen Mikrokredit?

Gründer im ersten Jahr

Das ist die Hauptzielgruppe. Beispiel:

Freiberuflicher Grafikdesigner, 28 Jahre alt, gerade gegründet (2 Wochen selbstständig). Kein Steuerbescheid, keine Kontoauszüge als Selbstständiger.

Bei der Bank: Sofort abgelehnt (zu jung, kein Einkommen nachweisbar).
Bei Mikrokreditfonds: Genehmigung in 3 Wochen.

Grund: Ein einfacher Geschäftsplan zeigt: “Ich habe schon Kundschaft von meinem vorherigen Arbeitgeber mitgenommen, verdiene 2.000 € monatlich bereits” – das reicht.

Soloselbstständige ohne Bankenhistorie

Beispiel:

Freiberufler seit 6 Monaten. BWA liegt vor (2.500 € monatlich), aber die Bank sagt: “Wir kennen Sie nicht, erst nächstes Jahr nach Steuerbescheid.”

Mikrokredit: Oft möglich. Die MFI braucht nur den Geschäftsplan + BWA.

Selbstständige nach Ablehnung bei der Hausbank

Beispiel:

Coach mit 3 Jahren Geschäftsbetrieb, Einkommen 48.000 € im Jahr. Bank sagt nein wegen unerklärter schwankender Einkommen.

Mikrokredit: Bessere Chancen. Die MFI schaut auf die Story (warum schwankt?), nicht nur auf den Score.

Vor- und Nachteile von Mikrokrediten

Vorteile

Schneller: 2–4 Wochen statt 4–8 Wochen (Bank)
Flexibler: Weniger Dokumentation, mehr Verständnis für Gründer-Geschichten
Günstiger als P2P: Zinsen oft 2,99%–5,99% (vs. P2P 5,99%–14,99%)
Mentoring dabei: MFI helfen oft auch bei Business-Planung
Nachweise flexibel: Geschäftsplan statt Steuerbescheid ausreichend

Nachteile

Kleine Summen: Nur bis 25.000 € (für größere Investitionen unzureichend)
Geschäftsplan nötig: Aufwand, auch wenn “einfach”
Oft höhere Zinsen: Als klassischer Bankkredit
Regionale Unterschiede: Nicht überall gleich verfügbar
Laufzeiten begrenzt: Oft max. 5 Jahre (für größere Summen ungünstiger)

Welche Alternative gibt es, wenn der Mikrokredit nicht reicht?

Privatkredit für größere Beträge

Wenn du 10.000–30.000 € brauchst:

  • Privatkredit von einer Bank (wenn du 1–2 Jahre etabliert bist)
  • Kontokorrentkredit (flexible Kreditlinie)

KfW StartGeld für Gründungsvorhaben

Das KfW StartGeld ist oft besser als Mikrokredite für Gründer:

  • Bis 100.000 €
  • Zinsen oft günstiger (ab ~3,99%)
  • Braucht einen soliden Businessplan
  • Bearbeitungszeit: 4–6 Wochen

Strategie: Kombination nutzen – KfW für die Hauptfinanzierung, Mikrokredit als schnelle Ergänzung.

FAQ

Wie unterscheidet sich ein Mikrokredit vom normalen Privatkredit?

Ein Mikrokredit ist für kleinere Summen gedacht (bis 25.000 €, oft 1.000–10.000 €) und hat weniger strenge Anforderungen an Einkommen und Sicherheiten. Dafür oft höhere Zinsen. Normale Privatkredite sind schneller, aber schwerer für Gründer zu bekommen.

Kann ich einen Mikrokredit ohne Geschäftsplan beantragen?

Der Mikrokreditfonds Deutschland verlangt einen Businessplan – aber ein einfacher reicht oft. Nicht das 50-Seiten-Werk einer Bank, sondern eine klare 2–3-Seiten-Zusammenfassung: Wer bin ich, was mache ich, wie verdiene ich Geld. Die Mikrofinanzinstitute helfen dir oft dabei.

Wie lange dauert eine Mikrokreditbewilligung von der Antragstellung bis zur Auszahlung?

Schneller als Bankenkredite. Beim Mikrokreditfonds Deutschland: 2–4 Wochen durchschnittlich. Grund: Weniger Formalismus, dafür persönliche Betreuung durch die Mikrofinanzinstitute. Das ist ein großer Vorteil.

Kann ich parallel einen Mikrokredit und einen KfW-Gründungskredit beantragen?

Ja – sogar empfohlen. Der KfW StartGeld (bis 100.000 €) und der Mikrokredit (bis 25.000 €) ergänzen sich gut. KfW für die große Summe, Mikrokredit als schnellere Ergänzung. Wichtig: Zeitlich versetzt beantragen, nicht parallel – das verwirrt die Banken.

Zählt ein Mikrokredit bei der Hausbank als Negativ-Signal?

Nein – im Gegenteil. Eine Ablehnung durch die Hausbank und dann ein erfolgreicher Mikrokredit zeigt der Bank später: Dieser Unternehmer wurde von einer unabhängigen Stelle (Mikrofinanzinstitut) bewilligt – das ist ein positives Signal.

Fazit: Mikrokredite für Gründer & Startup-Selbstständige

Mikrokredite sind kein Wundermittel, aber eine echte Alternative für Menschen, die Banken ablehnen:

Nutze einen Mikrokredit, wenn: ✅ Du gründest oder bist < 5 Jahre etabliert
✅ Du bis 15.000 € brauchst
✅ Du einen einfachen Geschäftsplan schreiben kannst
✅ Die Bank hat dich bereits abgelehnt

Nutze stattdessen KfW, wenn: ✅ Du > 15.000 € brauchst
✅ Du 1–2 Jahre etabliert bist
✅ Du einen soliden Businessplan schreiben kannst

Strategie: Kombiniere beide – KfW für die Hauptfinanzierung (günstiger), Mikrokredit als schnelle, flexible Ergänzung.

Mit dieser Kombination schaffst du dir als Gründer die finanzielle Grundlage, die du verdienst.

Fachquellen

Quellen & weiterführende Informationen

Für diesen Ratgeber wurden vorrangig offizielle Stellen, Aufsichtsbehörden, Förderbanken, Verbraucherinformationen und statistische Quellen herangezogen. Die Links öffnen in einem neuen Tab.

Über den Autor

Tom Trögler – Gründer KreditFreiberufler.de

Tom Trögler

Finanzexperte & Gründer, KreditFreiberufler.de

B.Sc. Wirtschaftsinformatik · Mehrjährige Erfahrung im Finanzbereich

Der Einstieg in die Selbstständigkeit ist finanziell oft ein Drahtseilakt. Mit Mikrokrediten gibt es eine echte Alternative zu Banken – wenn man weiß, wie man sie nutzt. Ich zeige dir, wo die Grenzen und Chancen liegen.

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