Ratgeber

KfW-Kredite für Freiberufler: Programme und Antrag

Autor: Tom Trögler 4 Min. Lesezeit Veröffentlicht Geprüft

KfW-Förderkredite können Gründung, Investitionen und laufende betriebliche Kosten finanzieren. Freiberufler sind in mehreren Programmen ausdrücklich eingeschlossen. Der wichtigste Unterschied zu einem direkten Onlinekredit: Der Antrag läuft über einen Finanzierungspartner und grundsätzlich vor Beginn des Vorhabens.

Welches Programm passt zu welcher Situation?

SituationHäufig passendes ProgrammWichtige Grenze
Gründung oder Unternehmen bis fünf JahreERP-Gründerkredit – StartGeld 067bis 200.000 Euro, davon bis 80.000 Euro Betriebsmittel
Etabliertes kleines oder mittleres UnternehmenERP-Förderkredit KMU 365/366bis 25 Millionen Euro; Risikoübernahme nur unter zusätzlichen Voraussetzungen
Hard- und Software, Prozesse, digitale GeschäftsmodelleERP-Förderkredit Digitalisierung 511/512Programmstufe und Digitalisierungs-Check beachten
Neue Produkte, Prozesse oder DienstleistungenERP-Förderkredit Innovation 513/514Innovationsgrad bestimmt Stufe und mögliche Förderung

Die Tabelle ist eine erste Einordnung. Maßgeblich sind die aktuellen KfW-Merkblätter und die Prüfung des Finanzierungspartners.

ERP-Gründerkredit – StartGeld 067

Das StartGeld richtet sich an Gründer, Unternehmensnachfolger sowie junge Unternehmen und Freiberufler innerhalb der ersten fünf Jahre nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit.

Aktuell wichtig:

  • bis zu 200.000 Euro Kredit,
  • davon höchstens 80.000 Euro für Betriebsmittel,
  • Finanzierung von Investitionen und laufenden Kosten,
  • Gründung im Haupt- oder Nebenerwerb möglich,
  • KfW übernimmt 80 Prozent des Kreditrisikos des Finanzierungspartners,
  • Antrag vor Beginn des Vorhabens.

Die Risikoübernahme kann den Zugang erleichtern, garantiert aber keine Zusage. Der Finanzierungspartner prüft Geschäftsmodell, Kapitalbedarf, Rückzahlung und persönliche Bonität. Der Kreditnehmer haftet vollständig für die Rückzahlung.

ERP-Förderkredit KMU 365 und 366

Der ERP-Förderkredit KMU kann Investitionen, Betriebsmittel, Warenlager sowie Gründung, Nachfolge und Beteiligung finanzieren. Er steht kleinen und mittleren Unternehmen sowie Freiberuflern offen.

Nach aktuellem KfW-Stand:

  • bis zu 25 Millionen Euro ohne Mindestbetrag,
  • bis zu 20 Jahre Laufzeit bei geeigneten Investitionsvarianten,
  • Finanzierung von Anschaffungen und laufenden Kosten möglich,
  • Variante 366 mit 50 Prozent Risikoübernahme,
  • für die Risikoübernahme sind aussagefähige Unterlagen aus zwei vollständigen Geschäftsjahren erforderlich.

Bei der Variante mit Risikoübernahme gelten für Betriebsmittel und Warenlager niedrigere Höchstbeträge als für Investitionen. Der individuelle Zinssatz hängt unter anderem von wirtschaftlicher Lage, Standort und Sicherheiten ab.

ERP-Förderkredit Digitalisierung 511 und 512

Dieses Programm fördert Digitalisierungsprojekte von neuer Hard- und Software bis zu digitalen Geschäftsmodellen und Zukunftstechnologien. Freiberufler können antragsberechtigt sein.

Das Vorhaben wird einer Förderstufe zugeordnet. Für die Basisdigitalisierung ist ein Digitalisierungs-Check vorgesehen. Höhere Stufen können einen Förderzuschuss ermöglichen. Reine Ersatzbeschaffungen ohne nachvollziehbaren Digitalisierungseffekt sollten vorab mit dem Finanzierungspartner geprüft werden.

ERP-Förderkredit Innovation 513 und 514

Gefördert werden Innovationsvorhaben, etwa neue oder wesentlich verbesserte Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen. Auch hier entscheidet die Einordnung in eine Programmstufe über Konditionen und einen möglichen Zuschuss.

Für Freiberufler ist besonders wichtig, den Innovationssprung konkret zu beschreiben: Ausgangszustand, technisches oder organisatorisches Ziel, Projektkosten, Zeitplan und wirtschaftlicher Nutzen.

Der Antrag in sechs Schritten

1. Vorhaben abgrenzen

Erstellen Sie eine Investitions- und Kostenliste. Trennen Sie Anschaffungen, Betriebsmittel, Eigenmittel und bereits ausgelöste Bestellungen.

2. Programmstand prüfen

KfW-Programme, Beträge und Konditionen können sich ändern. Prüfen Sie Produktseite, Merkblatt und Konditionenübersicht am Tag der Vorbereitung.

3. Finanzierungspartner auswählen

Sprechen Sie Ihre Hausbank oder einen anderen teilnehmenden Finanzierungspartner an. Nicht jeder Anbieter begleitet jedes Programm oder jeden Finanzierungsbetrag.

4. Unterlagen einreichen

Je nach Vorhaben werden typischerweise benötigt:

  • Businessplan oder Vorhabenbeschreibung,
  • Kapitalbedarfs- und Liquiditätsplanung,
  • Selbstauskunft und Vermögensübersicht,
  • Steuerbescheide, EÜR oder Jahresabschlüsse,
  • aktuelle BWA und gegebenenfalls Summen- und Saldenliste,
  • Angebote, Verträge und Qualifikationsnachweise.

5. Antrag vor Vorhabensbeginn stellen

Bestellen, kaufen oder mit Bau- und Projektleistungen beginnen dürfen Sie regelmäßig erst, wenn die programmspezifischen Voraussetzungen erfüllt sind. Klären Sie den zulässigen Zeitpunkt schriftlich mit dem Finanzierungspartner.

6. Zusage, Vertrag und Abruf

Nach positiver Prüfung schließen Sie den Kreditvertrag beim Finanzierungspartner. Auszahlung, Abruffristen, Bereitstellungsprovision und Verwendungsnachweise richten sich nach dem gewählten Programm.

Was die Haftungsfreistellung wirklich bedeutet

Eine Haftungsfreistellung verteilt einen Teil des Ausfallrisikos zwischen KfW und Finanzierungspartner. Sie ist kein Schuldenerlass und keine staatliche Rückzahlungsgarantie für den Antragsteller. Der Kreditnehmer muss den vollständigen Kredit zurückzahlen und vereinbart Sicherheiten mit dem Finanzierungspartner.

Häufige Gründe für Rückfragen oder Ablehnung

  • Das Vorhaben wurde bereits begonnen.
  • Kapitalbedarf und Angebote stimmen nicht überein.
  • Die Liquiditätsplanung trägt Zins und Tilgung nicht.
  • Annahmen im Businessplan sind nicht belegt.
  • Eigenmittel oder Sicherheiten sind unklar.
  • Die gewünschte Programmvariante passt nicht zum Unternehmensalter oder Verwendungszweck.
  • Der Finanzierungspartner möchte das Vorhaben trotz möglicher KfW-Förderung nicht begleiten.

Eine Ablehnung durch eine Bank ist nicht automatisch eine Ablehnung durch die KfW. Fragen Sie nach dem konkreten Grund. Je nach Ergebnis können Unterlagen überarbeitet, ein passenderes Programm gewählt oder ein anderer Finanzierungspartner angesprochen werden.

Förderkredit oder normaler Firmenkredit?

Ein Förderkredit eignet sich besonders für planbare Vorhaben, bei denen Antrag, Prüfung und Zweckbindung in den Zeitplan passen. Für einen unerwarteten Liquiditätsengpass ist das Verfahren häufig ungeeignet. Vergleichen Sie immer Gesamtbetrag, Laufzeit, tilgungsfreie Zeit, Sicherheiten, Bereitstellungsprovision und mögliche Vorfälligkeitskosten.

Fazit

Für junge Unternehmen ist das StartGeld 067 häufig der erste Prüfpunkt. Etablierte Freiberufler können den ERP-Förderkredit KMU 365/366 betrachten; für konkrete Digitalisierungs- oder Innovationsprojekte stehen spezialisierte Programme bereit. Entscheidend sind der aktuelle Programmstand, ein Antrag vor Vorhabensbeginn und eine Liquiditätsplanung, die den vollständigen Kapitaldienst trägt.

Businessplan und Finanzierungsunterlagen vorbereiten

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So wurde dieser Beitrag geprüft

Grundlage sind 5 ausgewählte Fachquellen, vorrangig von Behörden, Förderbanken und Verbraucherstellen. Kreditentscheidungen und Konditionen bleiben vom Anbieter, der Bonität und den eingereichten Unterlagen abhängig.

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Fachquellen

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Über den Autor

Tom Trögler – Gründer KreditFreiberufler.de

Tom Trögler

Gründer und Redakteur, KreditFreiberufler.de

B.Sc. Wirtschaftsinformatik

Tom Trögler hat Wirtschaftsinformatik (B.Sc.) studiert und verantwortet die Inhalte auf KreditFreiberufler.de. Er bereitet Informationen aus offiziellen Quellen verständlich auf und kennzeichnet klar, wo Kreditentscheidungen vom jeweiligen Anbieter und vom Einzelfall abhängen.

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